OpenAI geht in die Offensive: Der ChatGPT-Hersteller macht interne Nachrichten öffentlich, um Apples Klage wegen angeblichem Geheimnisdiebstahl zu widerlegen.
Im Streit um angebliche Geschäftsgeheimnisse geht OpenAI in die Offensive und macht interne Nachrichten öffentlich - der Ton wird persönlich.
Wenn zwei Tech-Konzerne miteinander streiten, landet der Streit normalerweise hinter verschlossenen Gerichtstüren. Nicht so bei Apple und OpenAI: Der ChatGPT-Hersteller hat den Konflikt jetzt in aller Öffentlichkeit ausgetragen und interne iMessage-Chats sowie E-Mails ins Netz gestellt. Der Vorwurf aus Cupertino, OpenAI habe Geschäftsgeheimnisse gestohlen, kontert das Unternehmen mit einem Blogpost, dessen Titel bereits die Tonlage vorgibt: 'Apple is getting this wrong'. Aus einem juristischen Vorgang wird damit ein öffentliches Duell.
Konkret geht es um eine Klage, die Apple gegen OpenAI angestrengt hat. Der iPhone-Konzern wirft dem KI-Unternehmen laut den Berichten von The Verge und Heise vor, sich unrechtmässig Geschäftsgeheimnisse angeeignet zu haben - offenbar auch über den Wechsel von Mitarbeitern. OpenAI reagierte am 3. August 2026 mit einem eigenen Blogpost und veröffentlichte parallel dazu iMessage-Verläufe und Mails, die die Vorgänge aus Sicht des Unternehmens dokumentieren sollen. Die Klage sei 'careless, aggressive, and oddly personal', heisst es dort - unvorsichtig, aggressiv und seltsam persönlich. OpenAI korrigiert nach eigenen Angaben zudem Aussagen Apples über einzelne Beschäftigte.
Der Schritt ist bemerkenswert, weil OpenAI und Apple bislang eher als Partner galten. Apple hatte ChatGPT in seine Systeme eingebunden, während OpenAI im KI-Rennen mit Google und Anthropic steht. Dass ausgerechnet Apple nun wegen angeblichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen klagt, deutet auf tiefere Verwerfungen hin - etwa um Personal, das zwischen den Konzernen wechselt, oder um Wissen, das bei solchen Wechseln mitwandert. Für OpenAI ist die Veröffentlichung der Chats ein riskantes, aber kalkuliertes Manöver: Wer zuerst seine Version erzählt und dabei Belege präsentiert, prägt die öffentliche Wahrnehmung. The Verge spricht denn auch davon, dass OpenAI den Rechtsstreit vor das 'Gericht der öffentlichen Meinung' zieht. Für Apple wiederum ist die Situation unangenehm: Ein Konzern, der sonst sehr diszipliniert kommuniziert, sieht sich plötzlich mit veröffentlichten Nachrichten konfrontiert, die er nicht kontrollieren kann.
Vieles bleibt allerdings offen. Aus dem Material geht nicht klar hervor, welche konkreten Geschäftsgeheimnisse Apple genau meint, welche Personen im Zentrum stehen und wie belastbar die von OpenAI veröffentlichten Chats aus juristischer Sicht sind. Auch ist unklar, ob Apple auf die Veröffentlichung reagieren wird - und ob das Gericht die öffentliche Kommunikation von OpenAI möglicherweise als problematisch bewertet. Wer selektiv Nachrichten teilt, kann ein bestimmtes Bild zeichnen, ohne dass Aussenstehende den vollen Kontext kennen. Ob die veröffentlichten Auszüge repräsentativ sind oder nur die für OpenAI günstigen Passagen zeigen, ist im vorliegenden Material nicht belegt.
In den nächsten Tagen dürfte entscheidend sein, ob Apple mit einer eigenen Gegendarstellung nachlegt oder auf den formalen Rechtsweg setzt. Interessant wird auch, wie sich das auf die bestehende Zusammenarbeit rund um ChatGPT auf Apple-Geräten auswirkt - und ob andere KI-Firmen aus dem Vorgehen von OpenAI lernen, ihre eigenen juristischen Auseinandersetzungen ebenfalls offensiver in die Öffentlichkeit zu tragen.
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